by Jakob Reichsöllner. Posted in Music, Text
Auf der Bühne das Opernorchester, die Pianistin, und Ich. Ich hält eine ungebetene Einführung mit einem Maschinengewehr in der Hand.
Ich: (auf die Pianistin deutend)
Eine Symphonie! Man stelle sich vor, ein lauter Beginn. Wie sie spielt, der erste Anschlag nach der vorangegangenen Stille, in der sie sich gesammelt hat, versucht hat, all den Schmerz und all das Glück dieser Welt in sich zu vereinen, zu halten bis sie birst und die ganze Welt auf einmal sein könnte um all das dann hinaus zu lassen im ersten Ton. kanalisiertes Glück. Musik explodiert nicht, sie ist für den bestimmt, der zuhört, wir wissen noch nicht was geschieht, kennen nicht jede Nuance ihres Stücks, können nicht explodieren.
Die erste Note ist ein Ventil, das manchmal sachte und manchmal laut geöffnet wird, aber niemals! entweicht all die Luft auf einen Schlag. Sie weiß jetzt schon dass sie weinen wird, arbeitet an ihrer und unserer Erlösung. Ich kann sie vor mir sehen, wie sie ihren ganzen Körper verspannt, sich krümmt und später dann sich öffnet, mit ihren Augen in eine unfassbare Weite blickt in der sie Welten sieht, die sie mir nie schildern konnte.
Oder sie schließt ihre Augen, reist in sich selbst. Nichts ist Leichtigkeit. Spielen ist Arbeit. Ich habe das Orchester immer als großen, atmenden Apparat erlebt, jeder für sich ein Rad in einem größeren Uhrwerk, das rasselt, rüttelt, schnarrt, schlägt, singt. Unstoppbare Maschine, die, so meine ich dann oft, ganz ohne jegliches Zutun laufen würde, als müsste man sie nur aufziehen, kurz vor der Vorstellung, danach: ein ewiger Gang.
Sie allein ist schon Erlebnis genug, denke ich mir, wenn ich sie beim Spielen erlebe, ein Atemapparat, eine Wüste der Verzweiflung, selten: Wasserfall des Glücks.
Willig lässt Ich sein Geplärre vom einsetzenden Orchester und dem Gelächter des Publikums übertönen. Das Maschinengewehr war eine Einbildung des Autors.
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